Der Markt für digitale Produkte befindet sich im Wandel. Kaum ein Thema wird aktuell so intensiv diskutiert wie die Frage, welche Geschäftsmodelle für Coaches, Berater, Experten und Solopreneure überhaupt noch funktionieren. Wirtschaftliche Unsicherheit, künstliche Intelligenz, ein immer größer werdendes Content-Angebot und zunehmend kritischere Käufer sorgen dafür, dass viele Unternehmer sich fragen: Lohnt sich das überhaupt noch?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Die längere Antwort lautet: Der Markt für digitale Produkte stirbt nicht. Er sortiert sich allerdings gnadenlos aus. Was austauschbar ist, verschwindet. Was echten Nutzen stiftet, bleibt. Genau deshalb lohnt sich ein Blick darauf, welche digitalen Produkte sich heute noch verkaufen und welche Entwicklungen sich bereits deutlich auf dem amerikanischen Markt zeigen. Die Beobachtungen aus den USA sind dabei besonders spannend, weil viele Trends dort oft einige Jahre früher sichtbar werden.
Inhaltsverzeichnis
Sommerreihe: Was funktioniert auf dem Markt überhaupt noch?
In den kommenden Wochen schauen wir uns in dieser Sommerreihe an, was auf dem Markt für Solopreneure, Coaches, Berater und Experten tatsächlich noch funktioniert.
Denn viele Unternehmer stellen sich aktuell dieselbe Frage: Funktionieren die Strategien von früher überhaupt noch?
Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Künstliche Intelligenz ist auf dem Markt angekommen. Die wirtschaftliche Situation ist anspruchsvoller geworden. Kunden vergleichen genauer, kaufen bewusster und haben gleichzeitig Zugang zu mehr Informationen als jemals zuvor.
Deshalb werfen wir gemeinsam einen Blick auf die wichtigsten Bereiche eines modernen Online-Business.
In dieser Serie erwarten Dich unter anderem folgende Themen:
- Welche digitalen Produkte verkaufen sich noch?
- Wie funktioniert Reichweite heute wirklich?
- Welche Freebies und Leadmagneten noch funktionieren
- Was bei Autofunneln noch automatisiert werden kann
- Wie modernes Verkaufen heute aussieht
- Ob klassische Launches überhaupt noch zeitgemäß sind
Den Anfang machen wir heute mit der vielleicht wichtigsten Frage überhaupt: Welche digitalen Produkte verkaufen sich 2026 noch?
Der klassische Online-Kurs verliert an Bedeutung
Wenn von digitalen Produkten gesprochen wird, denken viele zuerst an Online-Kurse. Tatsächlich hat sich dieser Markt jedoch stark durch die KI verändert.
Das bedeutet nicht, dass Online-Kurse verschwunden sind. Es bedeutet lediglich, dass reine Wissenssammlungen immer weniger attraktiv werden. Wer heute einen Kurs veröffentlicht, der lediglich Informationen zusammenträgt, hat ein Problem: Die meisten dieser Informationen sind mittlerweile kostenlos verfügbar oder können innerhalb weniger Minuten von einer KI zusammengefasst werden.
Menschen kaufen deshalb immer seltener Wissen. Sie kaufen Systeme.
Der Unterschied ist entscheidend.
Früher wurde ein Kurs über Instagram verkauft. Heute verkauft sich eher ein System, mit dem jemand Instagram erfolgreich umsetzen kann. Der Fokus verschiebt sich von der Theorie zur Anwendung. Templates, Frameworks, Notion-Systeme, Vorlagen, Prozesse oder KI-Workflows helfen Kunden dabei, schneller ins Handeln zu kommen und konkrete Ergebnisse zu erzielen. Genau diese Umsetzungsorientierung wird zunehmend zum eigentlichen Produkt.
Community wird zum Produkt
Ein weiterer Trend, der sich immer stärker durchsetzt, ist die Community als Produkt.
Der Hintergrund ist einfach: Kostenloser Content wird immer mehr. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach Orientierung und Austausch. Menschen möchten nicht mehr nur Inhalte konsumieren. Sie möchten Teil eines relevanten Umfeldes sein.
Plattformen wie Skool, Circle oder verschiedene Membership-Systeme zeigen genau diese Entwicklung. Viele Solopreneure nutzen heute kostenlose Communitys als Einstieg und kombinieren diese mit kostenpflichtigen Bereichen, in denen vertiefende Inhalte, Schulungen oder Austauschmöglichkeiten angeboten werden. Interessant dabei ist, dass nicht mehr ausschließlich Wissen verkauft wird. Verkauft wird vielmehr der Zugang zu einer Gruppe von Menschen mit ähnlichen Interessen und Herausforderungen.
Deshalb beobachten wir zunehmend Modelle, bei denen der eigentliche Content kostenlos bleibt, die vertiefende Zusammenarbeit jedoch innerhalb einer Community stattfindet.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Podcast-Community von Gordon Schönwälder. Die Basis selbst bleibt frei zugänglich. Wer allerdings tiefer einsteigen, sich mit anderen Podcastern austauschen oder zusätzliche Unterstützung in Form von Kursen und Anleitungen erhalten möchte, findet diese innerhalb der Community.
Während kostenloser Content Aufmerksamkeit erzeugt, wird die Nähe zur Community zunehmend zum eigentlichen Wertangebot.
Das Netflix-Modell erreicht die Solopreneur-Welt
Ein zweiter Trend, den wir aktuell beobachten können, ist die zunehmende Verlagerung von großen Einmal-Produkten hin zu abonnementbasierten Inhalten.
Menschen möchten heute nicht unbedingt einen weiteren 20-Stunden-Kurs kaufen. Viele bevorzugen kleinere, regelmäßige Inhalte, die sich direkt in ihren Alltag integrieren lassen. Besonders sichtbar wird dieser Trend auf Plattformen wie Substack.
Ein Beispiel, das ich selbst sehr spannend finde, ist Jillian on Love. Sie nutzt ihren kostenlosen Newsletter als Einstieg und kündigt dort regelmäßig kostenpflichtige Themenserien an. Statt eines großen Kurses entsteht eine vierwöchige Begleitung zu einem konkreten Thema. Wer tiefer einsteigen möchte, kann die kostenpflichtige Serie abonnieren.
Das Interessante daran: Verkauft wird nicht mehr das große Endprodukt. Verkauft wird ein aktuelles Thema, das Menschen gerade beschäftigt.Dieses Modell erinnert stark an Streaming-Dienste. Statt ein großes Paket zu kaufen, abonnieren Nutzer Inhalte, die kontinuierlich erweitert werden.
Für Solopreneure eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Statt monatelang an einem großen Kurs zu arbeiten, können kleinere, fokussierte Formate entstehen, die genau auf aktuelle Bedürfnisse reagieren.
Auch Podcasts werden zunehmend kostenpflichtig
Die gleiche Entwicklung sehen wir inzwischen auch im Podcast-Markt. Noch vor wenigen Jahren waren Podcasts fast ausschließlich kostenlose Marketingkanäle. Heute entstehen zunehmend hybride Modelle aus frei verfügbaren Episoden und kostenpflichtigen Premium-Inhalten.
Ein Beispiel dafür habe ich selbst als Hörerin erlebt. Der Stern veröffentlichte eine Podcast-Serie rund um Alexander Luchterhand. Die ersten Episoden waren kostenlos verfügbar. Wer die Geschichte vollständig hören wollte, musste für die letzten Folgen bezahlen. Ein Monat Stern-Schnupperabo kostete 0,99 Cent. Perfekt, um hinter die Bezahlschranke des Verlages zu schauen und sich vom Angebot zu überzeugen. (Und im Abo zu bleiben)
Ähnliche Modelle finden sich mittlerweile auf Plattformen wie Podimo oder Apple Podcasts Plus. Dort können Hörer einzelne Premium-Serien oder exklusive Episoden freischalten. Spannend dabei ist vor allem die Preisgestaltung. Oft bewegen wir uns hier in einem Bereich von wenigen Euro pro Monat oder sogar unter einem Euro pro Episode.
Die Hürde zum Kauf ist dadurch extrem niedrig. Auch für Solopreneure könnte dieses Modell interessant werden. Statt immer nur kostenlose Inhalte zu produzieren, entstehen zusätzliche Formate für Menschen, die tiefer einsteigen möchten. Wenn ich ehrlich bin, hätte sogar diese gesamte Sommerreihe problemlos als kostenpflichtige Podcast-Serie funktionieren können. 😉
Mini-Produkte bleiben ein wichtiger Einstieg
Ein Trend, der sich bereits seit mehreren Jahren hält, sind Mini-Produkte. Der Grund dafür ist einfach: Menschen kaufen heute vorsichtiger.
Statt sofort mehrere hundert oder tausend Euro zu investieren, möchten viele Interessenten zunächst eine kleinere Kaufentscheidung treffen. Genau hier kommen Mini-Produkte ins Spiel. Typischerweise bewegen wir uns dabei in einem Preisbereich von etwa 9 bis 49 Euro. In diesem Bereich entsteht häufig ein sogenannter Mitnahmeeffekt. Die Investition ist überschaubar, der wahrgenommene Nutzen aber oft sehr hoch.
Deshalb funktionieren beispielsweise Vorlagen, Checklisten, Frameworks, KI-Prompts, kleine Workshops oder Templates weiterhin sehr gut. Wichtig ist dabei jedoch, dass Mini-Produkte selten das eigentliche Ziel sind. Sie sind vielmehr ein strategischer Einstieg in die Kundenreise.
Menschen lesen Deinen Blog, hören Deinen Podcast oder folgen Dir auf Social Media. Anschließend kaufen sie ein kleines Produkt, das ein konkretes Problem löst. Dadurch entsteht Vertrauen und die Wahrscheinlichkeit steigt deutlich, dass später auch größere Angebote gekauft werden. Genau deshalb beobachten wir diesen Trend auch in den USA immer häufiger. Mini-Produkte werden dort nicht als Hauptgeschäft betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil einer durchdachten Customer Journey.
Und genau das macht sie auch heute noch so wertvoll. Sie ermöglichen einen ersten Kauf, schaffen Vertrauen und eröffnen den Weg für eine langfristige Zusammenarbeit.
Die Zukunft liegt in hybriden Produktmodellen
Besonders spannend ist eine Entwicklung, die derzeit vor allem auf dem amerikanischen Markt sichtbar wird.
Viele Creator verkaufen nicht mehr nur einen Kurs. Stattdessen kombinieren sie mehrere Produktformen miteinander.
Ein typisches Beispiel:
Ein Kunde kauft zunächst einen Online-Kurs. Anschließend erhält er Zugang zu einer Community, regelmäßigen Gruppencalls oder sogar persönlicher Begleitung. Dadurch entsteht ein wiederkehrendes Geschäftsmodell, das sowohl für Anbieter als auch für Kunden attraktiv ist.
Der eigentliche Wert liegt dabei nicht mehr ausschließlich im Kurs selbst.
Der Wert entsteht durch Feedback, Begleitung, Austausch und Kontext.
Warum persönliche Begleitung weiterhin gefragt bleibt
Bei allen technologischen Entwicklungen bleibt ein Bereich bemerkenswert stabil: die persönliche Zusammenarbeit.
Egal ob Mentoring, Beratung, Coaching oder strategische Begleitung – Menschen sind weiterhin bereit, für individuelle Unterstützung deutlich mehr Geld auszugeben als für reine Informationsprodukte.
Der Grund dafür ist einfach.
Kunden kaufen nicht nur Wissen. Sie kaufen Klarheit, Orientierung, Erfahrung und individuelle Lösungen.
Genau deshalb werden hochwertige 1:1 Angebote, VIP-Programme oder intensive Mentoring-Formate auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Allerdings steigen Kunden selten direkt in diese Angebote ein. In den meisten Fällen beginnt die Kundenreise über kleinere Produkte, kostenlose Inhalte oder Communities. Erst später entsteht das Vertrauen für eine intensivere Zusammenarbeit.
Welche digitalen Produkte verkaufen sich also noch?
Die spannendere Frage lautet vielleicht nicht, welche Produkte sich verkaufen.
Die spannendere Frage lautet:
Welche Probleme löst Dein Produkt?
Der Markt entwickelt sich weg von reinen Informationsprodukten und hin zu Systemen, Umsetzungsunterstützung, Communitys und Begleitung. Menschen möchten schneller Ergebnisse erzielen. Sie suchen Orientierung in einer Welt voller Informationen.
Deshalb funktionieren heute vorwiegend digitale Produkte, die einen klaren Nutzen haben, einfach konsumierbar sind und den Kunden möglichst schnell in die Umsetzung bringen.
- Online-Kurse funktionieren noch.
- Communitys funktionieren noch.
- Newsletter funktionieren noch.
- Podcasts funktionieren noch.
- Mini-Produkte funktionieren noch.
- Mentoring funktioniert noch.
Der Unterschied liegt nicht mehr im Format. Der Unterschied liegt darin, wie klar das Problem gelöst wird und wie gut die einzelnen Produkte innerhalb einer Kundenreise zusammenspielen.
Nicht das Produkt entscheidet, sondern das System dahinter
Wenn Du all diese Trends betrachtest, fällt eine Sache auf:
Es geht längst nicht mehr darum, einfach ein digitales Produkt zu bauen.
Viele Solopreneure haben im Laufe der Jahre einzelne Produkte entwickelt. Hier ein Workshop. Dort ein Online-Kurs. Vielleicht ein kleines Mini-Produkt. Dazu etwas 1:1 Beratung.
Das Problem: Oft fehlt die Verbindung zwischen diesen Angeboten.
Es gibt keine klare Kundenreise. Keine logische Reihenfolge. Keine Struktur, die Interessenten Schritt für Schritt vom ersten Kontakt bis zur Zusammenarbeit begleitet.
Genau deshalb reicht es nicht aus, nur zu wissen, welche Produkte aktuell funktionieren. Die eigentliche Frage lautet:
- Wie passen Deine Produkte zusammen?
- Welches Angebot ist der Einstieg?
- Welches Angebot baut Vertrauen auf?
- Welches Angebot führt in die nächste Stufe?
- Und welche Rolle spielen dabei Mentoring, Gruppenprogramme oder hochpreisige Angebote?
Aus meiner Erfahrung liegt genau hier bei vielen Solopreneuren der größte Hebel. Nicht beim nächsten Kurs. Nicht beim nächsten Freebie. Sondern beim Aufbau eines klaren Systems. Wenn Du merkst, dass Deine Produktlandschaft aktuell eher aus einzelnen Bausteinen besteht als aus einer durchdachten Kundenreise, dann lohnt sich ein Blick auf Dein gesamtes Geschäftsmodell.
Genau dabei unterstütze ich meine Kunden im 1:1 Mentoring. Gemeinsam entwickeln wir eine klare Produktstrategie, strukturieren Angebote, Preise und Kundenwege und schaffen ein Business, das nicht von einzelnen Aktionen lebt, sondern von einem nachvollziehbaren System.
Denn die erfolgreichsten Solopreneure verkaufen nicht unbedingt mehr Produkte.
Sie haben meistens die bessere Struktur.
Das würde den Artikel deutlich runder machen, weil Du damit die Brücke von den Markttrends direkt zur strategischen Arbeit mit Deinen Kunden schlägst.
